
-
Psoriasis mit starker Kopfhaut-Beteiligung

-
Psoriasis vulgaris

-
Psoriasis unguium
Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)
Eine Krankheit, die lange verkannt wurde
Schon im 3. Buch Mose findet die Hautkrankheit eine erste Erwähnung: "Und der Herr redete mit Mose und Aaron und sprach: Wenn bei einem Menschen an seiner Haut eine Erhöhung oder ein Ausschlag oder ein weißer Flecken entsteht und zu einer aussätzigen Stelle an der Haut wird, soll man ihn zum Priester Aaron führen."
In den Schriften des Hippokrates (4. Jahrhundert vor Christus) heißt es dann: „ … überall am Körper war die Haut stark verdickt, vom Aussehen her wie Lepra …“ Mit dem Stigma des Aussatzes war die Psoriasis über Jahrhunderte bis in die Neuzeit behaftet. Dies steckt auch heute noch in den Benennungen: so steht der Begriff Schuppenflechte volkstümlich für eine chronische Hauterkrankung, die sich "weiterfrisst", der Fachterminus Psoriasis kommt aus dem griechischen Psora und bedeutet "Krätze", also eine ansteckende, sich in der Haut ausbreitende, parasitäre Hauterkrankung.
Noch Ende des 18. Jahrhunderts wurde die exakte Psoriasis-Morphologie von Robert Willan als "Lepra vulgaris" tituliert. Erst 1860 wurde von dem österreichischen Dermatologen Ferdinand von Hebra die Psoriasis vulgaris als eigenständige (nicht lepromatöse) Hautkrankheit klassifiziert!

-
Struktur des Zytokin TNFα

-
Die Rolle von TNFα

-
Pathogenese der Psoriasis

-
Fettzellen und Komorbiditäten
Haut- oder System-Erkrankung?
Schlüsselenzym TNFα mit weitreichender Bedeutung
Mit der Entdeckung des s.g. Tumornekrosefaktor Alpha, kurz TNFα, als bedeutsamem Botenstoff für die Entwicklung einer Psoriasis vulgaris genauso wie einer Psoriasis-Arthitis hat sich die Sichtweise der Erkrankung in den letzten Jahren grundlegend verändert.
Das Zytokin mit dem für manchen Patienten etwas irritierenden Namen ist ein Protein (Eiweißstoff), das eine zentrale Rolle in der Aktivitätsregulation unseres Immunsystems inne hat. Zytokine regeln grundsätzlich Wachstum und Ausreifung (Differenzierung) von Zellen. Man unterscheidet insgesamt 5 Zytokin-Hauptgruppen, neben den Tumornekrosefaktoren (TNF) gibt es noch Interleukine (IL), Interferone (IFn, Koloniestimmulierende Faktoren (CSF) und Chemokine.
Die nebenstehenden Schaubilder verdeutlichen die Komplexität des Krankheitsgeschehens in der Haut und in Gelenken und die zentrale Rolle von TNFα. Da dieses Zytokin auch noch an anderen Zielstrukturen wirkt, insbesondere den Gefäßendothelzellen, wurde in den letzten Jahren zunehmend klar, das die Hochregulation von TNFα auch im restlichen Organismus von Bedeutung ist.
So spricht man heute von den s.g. Komorbiditäten, die schwer betroffene Psoriatiker häufig zusätzlich erleiden: Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie) mit einer erhöhten Gefahr für Herzinfakt und Schlaganfall, Zuckererkrankung (Diabetes melitus, insbesondere Typ II), Metabolisches Syndron (Übergewicht/Adipositas, Fettstoffwechselstörungen), aber auch Depression wird dazu gezählt.
Mittlerweile ist auch bekannt, das besonders die Zytokin-Aktivität des visceralen Bauchfetts für zahlreiche dieser Komorbiditäten eine entscheidende Rolle spielt. Zumindest bei den mittel-schwer und schwer betroffenen Psoriasis-Patienten, -und dies sind ca. 45% der Erkrankten-, handelt es sich damit nicht nur um eine Hauterkrankung, sondern um eine chron. Systementzündung, die auch entsprechend behandelt werden muss.
Psoriasis-Praxisnetz Südwest e.V.
Vernetzung von über 120 Praxen in 4 Bundesländern
Im Jahr 2008 haben sich knapp 75 Hautarztpraxen zu einem 4 Bundesländer (Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) übergreifenden Netz zusammengeschlossen, um die Versorgung von Psoriasis-Patienten zu verbessern. Ziele des Netzes sind sowohl die Verbesserung des fachinternen Austausches, der Aufbau von Zuweiserstrukturen, als auch eine Ausweitung der fachübergreifenden Zusammenarbeit mit Rheumatologen, Radiologen und Allgemeinmedizinern. Dies ist dringend erforderlich, denn zahlreiche Studien (z.B. PsoHealth 2005/2007) der letzten Jahre haben eine deutliche Unterversorgung im Bereich der Psoriasis dokumentiert.
Ihr Weg in unsere Schwerpunktpraxis
Mitarbeit des Patienten ist wichtig und kinderleicht!
Viele Psoriasis-Patienten durchleben mit ihrer Erkrankung einen jahrenlangen Leidensweg. Und die oft über die Jahre entwickelten Begleiterkrankungen und deren Behandlung ist auch nicht in 2Minuten erzählt. Andererseits sind Termin- und Zeitdruck heute leider in jeder Praxis mehr und mehr ein Problem.
Da aber die Vorgeschichte nicht zuletzt ein wichtiger Baustein auch für die zukünftige Therapieentscheidung und die ganzheitliche Therapieführung ist, gilt es die verfügbare Zeit optimal zu nutzen. Allgemeine Hinweise für Ihren (ersten) Besuch in unserer Praxis haben Sie vielleicht schon zu Beginn unserer Homepage in dem Artikel "Wichtiges Drumherum" gelesen, an dieser Stelle wollen wir Sie mit einigen zusätzlichen Patientenbögen vertraut machen, die Sie vielleicht gerne schon in Ruhe zu Hause oder mit Ihrem Hausarzt zusammen ausfüllen möchten. Beim Klicken auf die rechts abgebildeten Formulare öffnet sich automatisch ein PDF-Download.
Bitte bringen Sie die Bögen dann zu Ihrem Termin bei uns mit und geben diese bei der Anmeldung ab!
Psoriasis-Anamnesebogen
Mit diesem Fragebogen zur Vorgeschichte Ihrer Schuppenflechte bekommen wir einen ersten Überblick über die Rahmendaten zu Ihrer Krankengeschichte, ggfs. in Kombination zum allgemeinen Anamnesebogen unter "Wichtiges Drumherum" (s.o.). Zum Download des PDF-Dokuments klicken Sie bitte auf die entsprechende nebenstehende Abbildung.
Zusatzfragebogen Psoriasis-Arthritis
Wenn bei Ihnen bereits eine PsA festgestellt wurde oder wenn Sie über häufige Gelenk- und/oder Sehnenschmerzen, aber auch über Weichteilschwellungen zu klagen haben, füllen Sie bitte den Arthritis-Bogen sorgfältig aus. Zum Download des PDF-Dokuments klicken Sie bitte auf die entsprechende nebenstehende Abbildung.
GEPARD-Fragebogen
Nicht jeder Gelenkschmerz hat gleich was mit einer akuten Gelenkentzündung (Arthritis zu tun. Außerdem gibt es auch zur Psoriasis-Arthritis verschiedene Differentialdiagnosen (andere Erkrankungen mit gleichen/ähnlichen Symptomen). Die Fragen des GEPARD-Bogens (GErman Psoriasis ARthritis Diagnostic) bieten Anhaltspunkte für die Abklärung einer Psoriasis-Arthritis) in Eigenregie oder interdisziplinär mit dem Rheumatologen. Zum Download des PDF-Dokuments klicken Sie bitte auf die entsprechende nebenstehende Abbildung.
DLQI-Bogen
Neben der Beurteilung der Krankheitsschwere mittels verschiedener Aktivitäts- und Ausdehnungs-Scores durch uns, hat für die Gesamtbeurteilung der Erkrankung auch die Beeinträchtigung der subjektiven Lebensqualität eine große Bedeutung. Dazu steht ein 10-Fragen-Katalog zur Verfügung, der s.g. Dermatology Life Quality Index-Bogen. Zum Download des PDF-Dokuments klicken Sie bitte auf die entsprechende nebenstehende Abbildung.

-
Aktuelle S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris
Netzbildung, Leitlinie und Versorgungssziele
Auch deutschlandweit haben sich in den letzten Jahren zahlreiche (regionale) Netze gegründet (PsoNet). Selbstverständlich haben sich alle diese Schwerpunktpraxen auch der nationalen S3-Leitlinie zur Behandlung der Üsoriasis vulgaris verpflichtet. Diese liegt übrigens auch in einer leichter verständlichen Patienten-Version vor (=>PDF-Download hier)!
Die Dermatologenschaft geht sogar noch einen Schritt weiter: in einer gemeinsamen Aktion haben sich die Verbände DDG und BVDD auf 4 Nationale Versorgungssziele bis 2015 für die Psoriasis verständigt, um die Versorgungsqualität nachweislich zu verbessern.
Unsere Praxis gehört zu den Gründungsmitgliedern des Netzes und ist seither als Schwerpunktpraxis aktiv. Dr. von Kiedrowski ist im Vorstand des Praxisnetzes aktiv, sowie in die Konferenzen der Nationalen Versorgungsziele eingebunden.
Praxisschwerpunkt Psoriasis
Behandlungskompetenz von A wie Acitretin (Psoriasis-Systemtherapeutikum) bis Z wie Zink-Substitution
Nicht erst seit der Mitgliedschaft im Psoriasis-Praxisnetz bildet die Behandlung von Psoriasis- und Psoriasis-Arthritis-Patienten einen besonderen Schwerpunkt unserer Praxis. So waren wir bei Praxiseröffnung 1997 die erste und einzige Praxis in der Region Westerwald, die die Behandlungsmöglichkeit der Balneo-Photo-Therapie (aBPT) angeboten hat. Dies und die enge Zusammenheit mit der Regionalgruppe Koblenz des Deutschen Psoriasis Bundes haben schon bald dazu geführt, dass wie Anlaufstelle für besonders schwer betroffene Patienten mit dieser Erkrankung wurden. (Mittlerweile hat sich erfreulicherweise auch eine Regionalgruppe Westerwald im DPB gebildet, mit der wir auch gerne kooperieren.)
Nach der vorübergehenden Einstellung der Balneo-Phototherapie als Kassenleistung (Kieler-Model) Anfang 2000 erfolgte ein systematischer Ausbau der konventionellen und seit der Markteinführung 2005 auch der Biologika-Systemtherapie. Seit 2008 ist übrigens auch die aBPT wieder eine Leistung der GKV.
Aktuell sind wir weiterhin eine der wenigen Praxen im mittelrheinischen Raum und die einzige in den Kreisen AK, NR und WW, die alle Therapieoptionen, -auch die Infusion von Remicade®-, anbieten (mit Ausnahme Excimer-Laser).
Wir garantieren die Umsetzung der nationalen S3-Leitlinie Psoriasis vulgaris (wissenschaftliche Behandlungs- und Therapie-Richtlinie mit höchster wissenschaftlicher Wertigkeit /Evidenz), von der es auch eine Patienten-Version des Deutschen Psoriasis Bund (DPB) gibt. Sie können diese dort anfordern oder direkt hier als =>Download erhalten.
Informierte Patienten sind ausdrücklich willkommen und wir raten auch unbedingt zur Mitgliedschaft in der Patientenselbsthilfe wie dem DPB, denn im gesundheitspolitischen Umfeld macht nur die Gemeinsamkeit stark!
Im Folgenden möchten wir noch für Interessierte einen bewusst kurzen Überblick über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Schuppenflechte geben. Diese Auflistung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, weitere Informationen erhalten Sie ggfs. auch über entsprechende Links.
Die Entscheidung Für oder Wider eine Therapie kann aber nur im individuellen Patientenkontakt getroffen werden.

-
Wer die Wahl hat, hat die Qual!
Lokaltherapie
Basispflege ist obligat
Grundsätzlich ist eine intensivierte Hautpflege für jeden Psoriasispatient wichtig, insbesondere weil eine juckende und gereizte Haut durch den s.g. "Köbner-Effekt" neue Psoriasis-Plaque entwickeln kann. Zur Verfügung stehen eine Vielzahl von Produkten (Ölbäder, Duschöle, rückfettende Cremes, Salben oder Lotionen, ggfs. auch mit Zusatz von Harnstoff (Urea). Bei der Verwendung von (5-10%igem) Harnstoff sei aber angemerkt, dass dies nur bei entzündungsfreier Haut anzuraten ist, da ansonsten Harnstoff selbst zu Reizungen führen oder diese verstärken kann.
Goldstandard ist heute die Kombination von ausreichend starken Glukokortikosteroiden und Vitamin D3-Analoga in einer für die zu behandelnden Lokalisation geeigneten Zubereitung. Reine Kortison-Anwendung beeinflusst die erhöhte Hautneubildungsrate nur unzureichend, führt deshalb zu Rezidiven und ist daher mangels ausreichender Wirksamkeit als unwirtschaftlich abzulehnen. Zu Beginn einer Lokaltherapie kann der Zusatz von Salicylsäure (Förderung der Abschuppung) sinnvoll sein. Die Anwendung von modernen Externa reicht heutzutage 1x täglich abends ausreichend und damit Compliance (Patienten-Mitarbeits) fördernd.

-
Folienbad in 20%iger Starksole
Ambulante Balneo-Photo-Therapie (aBPT)
Gute Behandlungsmöglichkeit für großflächige Ausdehnung
Gemäß Leitlinie ist die Behandlung der Psoriasis mit einer flächigen Ausdehnung von mehr als 10% KOF (Körperoberfläche = Handfläche des Patienten entspricht ca. 1% KOF) nicht mehr durch alleinige Lokaltherapie sinnvoll: zum einen erreicht eine solche Lokaltherapie die Grenzen der zeitlichen und mengenmäßigen Machbarkeit für den Patienten, zum anderen spielt hier die Wirtschaftlichkeit eine Rolle.
Seit 2008 steht für solche Fälle wieder die kombinierte bade-Licht-Therapie zur Verfügung: der Patient badet zunächt 20 Minuten in einer Starksole (20%ig) und erhält anschließend eine UVB-Phototherapie. Beim Baden werden nicht nur Entzündungszellen aus der haut gewaschen, sondern die Haut quillt auch und wird damit für das anschließende UV-Licht besser durchgängig.
Eine solche Therapie umfasst bis zu 35 Bäder, die Behandlungsfrequenz beträgt 3-5x pro Woche (also 7-12 Wochen insgesamt) und kann nach frühestens 6 Monaten wiederholt werden (Abrechnungsausschluss der Krankenkassen).
Wir führen in unserer Praxis das s.g. Folienbad durch: so badet natürlich jeder Patient in seinem "eigenen Wasser", das Verfahren ist aber umweltfreundlich und spart Wasser und Salz!
(Bitte keine Salzbäder zu Hause versuchen: Sie benötigen für ein Solebad 30 kg Salz pro Wannenfüllung (!) und haben durch die Salzkonzentration in wenigen Wochen ihre Rohrleitungen zerfressen)
ααKonventionelle Systemtherapie
Von "Innen" gegen die Entzündungszellen im Körper
Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ist, -wie oben bereits dargestellt-, der Organismus durch eine Hochregulation von zahlreichen Entzündungszellen betroffen! Dies macht verständlich, dass in solchen Fällen eine rein äußerliche Therapie nicht ausreichend sein kann. Zur Verfügung stehen in Deutschland insgesamt 4 Medikamente mit ganz unterschiedlichen Wirkmechnismen und Einnahmeregularien:
Acitretin
ist ein Vitamin-A-Säure-Abkömmling (Retinoid) und wirkt auf Wachstum und Reifiung von Hautzellen(Kerratinocyten). Es ist täglich einzunehmen, die etwas höhere Dosierung zur Therapieeinleitung kann bei Ansprechen im Verlauf reduziert werden. Haupteinsatzgebiet sind die mit Pusteln (Flüssigkeitsgefüllte Bläschen) einhergehenden Formen der Psoriasis. Typische Nebenwirkung ist die z.T. starke Austrocknung auch der Schleimhäute (Augen, Nase). Die Substanz darf bei Frauen im gebährfähigen Alter nur mit sicherer Verhütung (Kontrazeption) angewendet werden, da sie auf den Embryo schädigend wirkt; die Kontrazeption ist auch nach Absetzen des Präparats noch lange Zeit fortzuführen. Unter der Behandlung müssen verschiedene Laborwerte regelmäßig kontrolliert werden.
Ciclosporin
ist ursprünglich ein Stoffwechselprodukt der Pilzgattung Tolypocladium inflatum und wurde anfangs zur Hemmung des Immunsystems nach Organtransplantationen (auch heute noch) eingesetzt. Seit 1993 wird es auch gegen Psoriasis eingenommen. Die Gabe erfolgt täglich, die Dosis ist gewichtsadaptiert. Möglich Nebenwirkungen gibt es verschiedene, am bedeutsamsten sind die Erhöhung des Blutdrucks und eine Einschränkung der Nierenfunktion, hier erfolgen auch regelmäßige Kontrollen. Ciclosporin hat eine starke und schnell einsetzende Wirkung, ist aber für eine Dauerbehandlung (wegen der Nebenwirkungen) nicht geeignet. Nach einer solchen Therapie sind Phototherapien wegen der Gefahr einer Hautkrebsenstehung zu unterlassen (siehe auch => "Hautkrebs bei Organtransplantierten").
Fumarsäureester
sind ein Stoffwechselprodukt, was sowohl im Menschen, als auch in verschiedenen Pflanzen vorkommt. Vom Gewöhnlichen Erdrauch (Fumaria officinalis) stammt auch der Name. Über eine Hemmung verschiedener Botenstoffe erklärt man die gute, aber zu Beginn nur langsam einsetzende Wirkung bei Psoriasis. FSE (FKürzel für diese Substanz) werden täglich als Tablette eingenommen, die Dosis kann ja nach Ansprechen bis zu 6 Tabletten (3x2 Tbl. = 720 mg) betragen, ist aber nach Einsetzen der Wirkung auf eine individuell niedrigere Erhaltungsmenge zu reduizeren. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Hitzegefühl und Hautrötungen (Flush), sowie Durchfälle, die aber im Laufe der Therapie wieder verschwinden. Fumarsäure ist für die Dauertherapie geeignet; erste klinische Studien haben günstige Effekte auf auf verschiedene Komorbiditäten gezeigt. Auch für diese Substanz sind verschiedene Laborkontrollen erforderlich.
Methotrexat
ist ein Analogon der Folsäure (Vitamin B9) und wirkt entzündungshemmend und regulierend bei immunologischer Überaktivität. Eingeführt wurde die Substanz, die auch kurz mit MTX abgekürzt wird, für die Behandlung verschiedener maligner Erkrankungen (z.B. Leukämien oder Lymphomen). Es wird nur 1x wöchentlich verabreicht, wegen der besseren Wirkung und geringerer Nebenwirkungen (Magen-Darm-Trakt) vorzugsweise als (subkutane) Injektion, die sich der Patient nach Ableitung dann selber geben kann. Üblich sind Gaben von 15 oder 20 mg (pro Woche), in der Erhaltungsphase sind z.T. auch geringere Dosen möglich. MTX hat auch eine gute Wirkung auf die Gelenk-Psoriasis (Psoriasis-Arthritis) und ist hier das Systemtherapeutikum der 1. Wahl). Leber, Nieren- und Blutbildkontrollen sind in regelmäßigen Abständen erforderlich.
Systemtherapie mit Biologika
Zielgerichtete (Targeted) Therapie mit biologischen Stoffen als zukunftsweisende Option
Biologika oder Biologics greifen auf unterschiedlichen Ebenen ganz gezielt die Entzündung vermittelnden Zytokine an. Sie werden gentechnisch hergestellt und stellen so große Moleküle dar, dass sie (bislang) nicht in Salben- oder Tablettenform anwendbar sind. Sie werden als Infusion in die Vene oder als Injektion unter die Haut verabreicht.
In Deutschland sind Biologika nur in Ausnahmefällen als First-Line-Therapie zugelassen, sondern nach Second-Line-Möglichkeit, wenn bei einer entsprechenden Krankheitsschwere die konventionellen Systemtherapeutika nicht ausreichend wirksam oder unverträglich oder wegen anderer Gründe kontraindiziert waren. Vor und während der Therapie sind aktive Infektionen, insbesondere eine Tuberkulose auszuschließen.
Neben den auch in anderen Fachgebieten (Rheumatologie, Gastroenterologie) zugelassenen und angewendeten Substanzen gegen TNFα (Tumornekrosefaktor) steht mit dem Ustekinumab ein IL12/23-Inhibitor (Hemmung der bei beiden Interleukinen vorkommenden p40-Untereinheit) nur der Dermatologie zur Verfügung.
Adalimumab
ist ein vollhumaner Antikörper gegen TNFα und wirkt damit sowohl bei Psoriasis vulgaris als auch bei der Psoriasis-Arthritis. Die Gabe erfolgt durch Fertigspritzen oder mittels eines Pen´s unter die Haut durch den Patienten. Bei der Einleitung (Induktionsphase) werden zunächst 2 Injektionen auf einmal und eine dritte Menge dann nach 1 Woche gegeben, die weiteren Injektionen erfogen dann 14-tägig. Die gute und starke Wirkung ist zumeist schon innerhalb weniger Wochen zu verzeichnen.
Etanercept
richtet sich auch gegen TNFα, ist aber kein Antikörper, sondern bindet das Zytokin als s.g. Fusionsprotein. Es wirkt bei Haut- und Gelenk-Manifestation und ist als einziges auch für Kinder ab dem 6. Lebensjahr zugelassen. Die Gabe erfolgt mittels Injektion unter die Haut, entweder 1x oder 2x wöchentlich in zwei verschiedenen Dosierungen (25 oder 50 mg). Neben einer Fertigspritze steht auch ein Pen zur Verfügung. Die antipsoriatische Wirkung ist gut, setzt aber etwas langsamer als bei anderen Anti-TNF´s ein.
Infliximab
ist ein chimärer (Anteilen von Mausproteinen) TNFα-Antikörper, der als Infusion intravenös in der Arztpraxis verabreicht wird. Die Wirkstoffmenge wird an das Körpergewicht adaptiert, die normale Dosis beträgt 5 mg pro kg Körpergewicht, eine Infusion dauert ca. 2 Stunden gefolgt von einer ca. gleichlangen Nachbeobachtungsphase. Infusionen werden zu Therapiebeginn, dann nach 2 Wochen, nach weiteren 6 Wochen und dann alle 8 Wochen benötigt. Die Substanz wirkt sehr stark und sehr schnell gegen Haut- und Gelenk-Beteiligung
Ustekinumab
inaktiviert die Botenstoffe Interleukin-12 und Interleukin-23 und stellt damit ein ganz anderes Wirkprinzip dar als bisher besprochen. Eingeleitet wird die Therapie mit der Gabe einer Fertigspritze am Tage 0 und nach 4 Wochen. Mit der dann notwendigen Wiederholungsgabe nur alle 12 Wochen erreichen die Patienten die bislang längstmögliche Freiheit von Behandlungsaktivitäten. Die Wirkung ist stark und relativ schnell einsetzend; die Dosis beträgt 45 mg, für Patienten mit einem Körpergewicht über 100 kg steht eine 90 mg-Dosis zur Verfügung. Die Zulassung besteht aktuell nur für die Hautmanifestation, die Wirksamkeit bei Psoriasis-Arthritis ist derzeit Gegenstand klinischer Studien
Für Patienten mit einer gesicherten Psoriasis-Arthritis steht darüber hinaus noch ein weiterer Anti-TNFα-Wirkstoff mit dem Namen Golimumab zur Verfügung, die Lösung wird alle 4 Wochen mittels Fertigspritze oder Pen verabreicht.
Alle Biologika sind für die Dauertherapie geeignet und z.T. auch mit anderen Systemtherapeutika kombinierbar. Typische Nebenwirkungen außer leichten Lokalreaktionen an der Injektionsstelle sind nicht zu benennen, in größeren Abständen werden natürlich Routineparameter im Labor kontrolliert.
Deutsches Psoriasis Register PsoBest
Dokumentation von Wirksamkeit und Sicherheit "unserer" Psoriasis-Systemtherapeutika
Das Deutsche Psoriasis Register PsoBest ist das größte dermatologische Registerprojekt und wurde Anfang 2008 mit dem Ziel gegründet Langzeitdaten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der in Deutschland verfügbaren Biologika und konventionellen Systemtherapeutika zu erfassen.
Dabei sollen mindestens 3500 Patienten über jeweils 5 Jahre nach Einschluss hinsichtlich ihrer Psoriasis-Behandlung regelmäßig überwacht und dokumentiert werden. Unsere Praxis nimmt seit Ende 2008 als aktives Zentrum teil und hatte dabei das Glück, Ende letzten Jahres den 2000ten Registerpatient insgesamt gemeldet zu haben.
Betrieben wird das Projekt von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), die Studienleitung hat das Competenzzentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie (CVDerm) unter Leitung von Prof. Dr. Augustin.

-
Ehrung als aktives Top-10-Psoriasis-Zentrum
Unser Zentrum Selters
Platz 1 unter 126 niedergelassenen Praxen!
Aktuell beteiligen sich 126 Praxen und 39 Kliniken aktiv am Register, von den mittlerweile über 2080 Patienten werden rund 61% von den niedergelassenen Dermatologen gemeldet und geführt.
Unter allen aktiven Zentren gehört unsere Praxis zun den TopTen und belegt mit über 100 gemeldeten Psoriasis-Systempatienten hinter den Universitätsambulanzen der Uni Hamburg und Dresden Platz 3. Damit sind wir das aktivste Zentrum von 126 Praxen in ganz Deutschland und beteiligen uns damit aktiv an der Versorgungsforschung in Deutschland zum Wohle unserer Patienten.
Nicht zuletzt auch diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass Dr. Ralph von Kiedrowski von Prof. Dr. Kristian Reich (Vorsitzender des Beirats) in den Wissenschaftlichen Beirat des PsoBest-Registers berufen wurde.
Letztlich geht es aber natürlich nicht nur um irgendein Ranking, sondern um die optimale Behandlung mit innovativen und sicheren Medikamenten. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten!
Mediale und wissenschaftliche Projekte

-
Reisen mit Psoriasis
Patienten-Ratgeber
Reisen mit Psoriasis
Informationen und Tipps für Menschen mit Schuppenflechte sind gerade für die schönste Zeit im Jahr, die Urlaubszeit, wichtig!
Unter Mitwirkung von Dr. Ralph von Kiedrowski ist eine informative Reisebroschüre entstanden mit zahlreichen relevanten Tipps von der Planung des Urlaubsziels bis hin zur Reiseapotheke und einer abschließenden Checkliste, damit nicht´s vergessen wird!
Sie erhalten die Broschüre gerne in unserer Praxis oder können sie bei Abbott-Care anfordern, wo Sie auch noch weitere interessante Informationen finden können!
Psoriasis vulgaris - ein praxisnaher Behandlungspfad
Mit der S3-Leitlinie zur Psoriasis steht ein über 96 Seiten (ohne Literaturverzeichnis) umfassendes Werk zur Evidenz-basierten Behandlung der Schuppenflechte zur Verfügung und dennoch steht in Deutschland keine flächendeckende Versorgung für diese erkrankung zur Verfügung.
Dies war die Motivation für eine Arbeitsgruppe des Netzwerkes onkoderm e.V. unter der Leitung von Dr. von Kiedrowski, eine praxisnahe Umsetzungempfehlung für die tägliche Sprexhstunde zu erarbeiten, vor allem für die Kolleginnen und Kollegen, die noch keinen Psoriasis-Schwerpunkt haben.
Dieser Algorithmus gibt dabei konkrete Entscheidungshilfen für das diagnostische und therapeutische Vorgehen und führt, schrittweise abgearbeitet, immer zu einer Entscheidung für eine stadiengerechte Therapie.
Die Veröffentlichung erfolgte im BVDD-Journal Der Deutschen Dermatologen 9/2011. Die Publikation ist in diesem Jahr Thema zahlreicher Vortragsveranstaltungen.
Weitere Projekte sind in Arbeit und werden nach ihrer Fertigstellung auch hier veröffentlicht werden ...
Im Bereich Psoriasis nehmen wir mit unserer Praxis an folgenden wissenschaftlichen Projekten teil:
Nicht-interventionelle Studien (NIS):
Bei einer NIS werden im Rahmen einer Behandlung mit einem zugelassenene Medikament Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten erhoben um insbesondere Informationen aus dem Einsatz unter Alltagsbedingungen zu erhalten.
Das wissenschaftliche Interesse an Psoriasis ist gerade vor dem Hintergrund der Komorbiditäten und der zahlreichen neuen Therapieoptionen durch Biologika derzeit besonders groß. Aktuell nehmen wir an folgenden Projekten teil:
LOTOS - Langzeitdokumentation zu Verträglichkeit und Wirksamkeit sowie Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis vulgaris unter Humira® in der klinischen Routine
- Beobachtung über 5 Jahre mit insgesamt 12 Visiten unter Adalimumab (Humira®) - Studie läuft noch, Rekrutierung: offen
LOTOS Metabolism - Langzeitdokumentation zu Risikofaktoren des metabolischen Syndroms und von kardiovaskulären Erkrankungen bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis unter Humira® in der klinischen Routine
- Beobachtung über 5 Jahre mit insgesamt 12 Visiten unter Adalimumab (Humira®) - Studie läuft noch, Rekrutierung: offen
ENBREL - Wirksamkeit, Sicherheit und Gesundheitsökonomie bei Patienten mit Plaque-Psoriasis in der täglichen Praxis
- Beobachtung über mindestens 36 Monate mit Visiten alle 6 Monate, Studie läuft noch, Rekrutierung: beendet
GEPARD-Life - Identifizierung von Psoriasis-Arthritis-Patienten in der Kohorte dermatologisch betreuter Psoriasis-Patienten
- Beobachtung über 5 Jahre im Verlauf eines negativen Screening-Ergebnis, Studie läuft noch, Rekrutierung: abgeschlossen
NASCAP - Nagel- und Kopfhautbeteiligung bei Plaque-Psoriasis beeinflusst die Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten
- Beobachtung über 18 Monate mit Visien in 3-monatigen Abständen, Studie läuft, Rekrutierung: offen
PsoSat - Zufriedenheit und Therapieoptimierung bei Psoriasis. Befragung bei Patienten unter topischer und Lichttherapie
- Einmalige Befragung Systemtherapie-naiver Psoriasis-Patienten, Studie abgeschlossen
PSO-QUEST - Evaluation der Lebensqualität bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis unter immunsuppressiver Therapie
- Beobachtung über 12 Monate Biologika-naiver Patienten unter Systemtherapiemit 5 Visiten in 3-monatigem Abstand. Studie läuft, Rekrutierung: offen
MTX - Änderung der subkutanen Methotrexat-Therapie um 2,5 mg - eine neue Therapieoption
- Beobachtung über 24 Wochen nach Dosisänderung(en) in 2,5 mg-Schritten, Studie läuft, Rekrutierung: offen
HUM 05-3 - Dokumentation von Patienten mit Psoriasis-Arthritis (PsA)
- Dokumentation von Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit von Humira® bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis über 24 Monate
FU-Comorbid - Erhebung des Gesundheitszustandesim Hinblick auf das Metabolische Syndrom und kardiovaskuläre Erkrankungen mittels CVAT-Fragebogen (CardioVascular Assessment Tool) bei Psoriasis-Patienten unter systemischer Therapie mit Fumarsäureester
- Beobachtung über 16 Wochen mit 2 Visiten, Studie läuft, Rekrutierung: offen
Interventionelle Studien (klinische Studien Phase III oder IV nach AMG):
In klinischen Studien geht es um einen Wirksamkeitsnachweis eines Medikamentes (oder einer Methodik). Im Vorfeld haben Verträglichkeits- und Dosisfindungs-Untersuchungen stattgefunden. Bei klinischen Studien wird immer gegen eine Kontroll-Gruppe (ohne Medikation/mit Placebo) getestet, weder Prüfarzt noch Patient weiß während der Studie in welchen Behandlungsarm man gelost wurde.
Topical Treatment Optimising Programme
Welche Erkrankung wird behandelt? Psoriasis vulgaris
Wie ist der Ablauf der Studie?
Wir suchen Männer und Frauen ab 18 Jahren für die Teilnahme an einer Arzneimittelstudie mit einem bereits zugelassenen Medikament (Gel) sowie einem neu entwickelten Patientenbetreuungsprogramm zur Verbesserung von auf die Haut aufzutragenden Therapien.
Wie lange dauert die Studie?
Der Zeitaufwand beträgt 10 Studienbesuche innerhalb von etwa 15 Monaten. Welches Probandenprofil wird erwartet?
Männer und Frauen ab 18 Jahren, die an einer leichten bis mittelschweren Plaque-Typ Psoriasis leiden (es dürfen nicht mehr als 10% der Körperoberfläche betroffen sein) und die seit mindestens 8 Wochen mit einem Lokaltherapeutikum (z.B. Salbe, Creme, Lotion) behandelt werden. Trotz der bereits stattfindenden Therapie muss die Schuppenflechte weiterhin von leichter bis mittelschwerer Ausprägung sein.
Gibt es Besonderheiten?
Raucher können an der Studie teilnehmen. Weitere Details zur möglichen Studienteilnahme erhalten Sie telefonisch, per Email oder in einem ärztlichen Vorgespräch.
Bekomme ich eine Aufwandsentschädigung?
Sie erhalten eine angemessene Aufwandsentschädigung.
Status
Patienten ab sofort gesucht!












